Die Frage nach der Wiederbelebung verwaister Innenstädte stellt sich zahlreichen Gemeinden, die schon seit vielen Jahren und nicht nur in strukturschwachen Gegenden, unter Leerständen leiden. Für die TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung war die Fragestellung auf Grund der breit angelegten Forschungsfrage und der intensiven Feldforschung eine Herausforderung. Das Eintauchen in die örtlichen Gegebenheiten, die Erhebung immaterieller Ressourcen, die Nähe zu den Menschen und das Gespräch mit den Einheimischen stellten für viele völlig neue Erfahrungen dar.

Ein Vorteil, der durch diese Art des Projektzugangs zu erwarten war, war ein breites Spektrum von Lösungsansätzen und Strategien, nicht zuletzt auch wegen des Miteinbeziehens der eigenen, subjektiven Empfindungen, mit denen die angehenden ArchitektInnen der Fragestellung begegnen würden. Die vorliegenden Projekte behandeln je nach gewähltem Projektthema, unterschiedliche Schwerpunkte und Inhalte. Ziel war es den Studierenden ein Instrumentarium an die Hand zu geben, mit dem sie auch in künftigen Aufgabenstellungen der zunehmenden Differenzierung und Dynamisierung von Lebensweisen, die sich letztlich auch im Stadtraum abbilden, gerecht werden zu können.

Die Kapfenberger Innenstadt ist von massivem Leerstand betroffen. Das Einkaufszentrum ECE am Bahnhof ist ein großer Magnet für alle Schichten der Bevölkerung und zieht Kaufkraft aus der nahe gelegenen Innenstadt ab. Obwohl direkt im Zentrum mehrere Kultur- und Bildungsinstitutionen angesiedelt sind und die Gemeinde, mittels der Stadtverschönerungs-Kampagne „Good Morning Kapfenberg“, mit gepflegten Plätzen und Häuserfassaden ein positives Bild vermittelt, wirken die Straßen menschenleer. Einzelhandel und Dienstleistungen funktionieren im Zentrum nur noch vereinzelt. Bereits im Einführungsvortrag zur Lehrveranstaltung im März 2014 konnten die Studierenden von der Stadtbaudirektorin erfahren, dass die Gemeinde Kapfenberg sehr darum bemüht sei, die Innenstadt zu revitalisieren und dafür verschiedene Anstrengungen unternähme. Die Bevölkerung sei allerdings, so die Baudirektorin, daran „gewöhnt“, dass hauptsächlich die Gemeinde für Initiativen und Kampagnen zuständig sei und die Eigeninitiative der BürgerInnen daher eher gering ausfalle.

In der folgenden Reflexion der Ergebnisse der Lehrveranstaltung verlasse ich die im Inhaltsverzeichnis festgelegte Reihenfolge der Projektvorstellung. In meiner Analyse konzentriere ich mich dagegen auf die Beschreibung und Diskussion der Strategien, die die Studierenden zur Bearbeitung der Aufgabenstellung gewählt haben und bündele diese in den Textabschnitten: Strategie Aneignung und Umnutzung, Strategie Zwischennutzung und Eigeninitiative, Strategie Interventionen im öffentlichen Raum, Strategie Kunst im öffentlichen Raum, Strategie Durchwegung und Angebote im öffentlichen Raum.

 

Autor: Franziska Schruth: Endogene Ressourcen als Entwurfsgrundlage, in: Manfred Omahna, Franziska Schruth (Hg.): Endogenes Entwerfen. Qualitative Forschung in der Architektur. Ein kulturanthropologisch-architektonisches Studienprojekt zur Stadt- und Regionalentwicklung von Kapfenberg, Verlag der Technischen Universität Graz, Graz: 2016.

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